Gibt es einen Wasserfall am Flughafen? (Preview of the waterfall at the airport)

(English below)

Mit Cappuccino und schwarzem Kokoseis sitze ich an der Strandbar; im Hintergrund langsame Musik. Poster von Hawaii; die Bedienung trägt Shirts mit Palmen.

Alles echt und real und doch auch nicht:

Ich bin nicht auf Hawaii, sondern zu Gast auf der Preview des im Changi Airport ab morgen geöffneten JEWEL, einer Shoppingmall der Zukunft – und der Gegenwart.

Aber mal von vorne, man fängt ja nicht mit dem Ende an.


Form: der glanzvolle Diamant?

1.7 Billionen hat das Projekt gekostet. Architekt Mohse Safdie wollte etwas wie in dem Film Avatar (2009) erschaffen. Einen mystischen Garten, der alle Menschen gleichermaßen anspricht, unabhängig vom Alter, Einkommen und kulturellem Hintergrund.

Der Bau besteht visuell am meisten aus Glas und Stahl, urteile ich als Nicht-Architektin. Die Diamantform der Fenster erinnert mich entfernt an die Seattle Bücherei von Rem Koolhaas. Wie lange es wohl dauert, um alle Fenster zu putzen?


Erster Eindruck: Eingangsbereich

Von außen betrachtet erscheint Jewel als kleine runde Baut; eine diamantförmige Fassade, die sich über die Form eines Donuts stülpt. Aber Jewel erscheint von innen grösser als man von außen erwartet. Der Diamant glitzert silbern im feuchtwarmen Wetter, und läd ein in eine 135.700 m2 grosse, klimatisierte Shoppingmall. Deren Hauptattraktion ist ein 40m Wasserfall inmitten eines nahezu runden Atriums.

Jewels Eingang lockt bereits von außen mit einer freien Sichtlinie auf den im Design zentralen Wasserfall. Das Wasser fällt aus dem Dach in einen tropischen Wald und endet in einem Loch im Boden.

Aber der Eingangsbereich ist für mich ebenso spannend: Große Metallobjekte hängen scheinbar schwerelos in der Luft. Sie sprechen mich aus künstlerischer Sicht nicht an. Doch ich kann mir vorstellen, dass es für die breite Masse des multikulturellen Landes passt.

Die Fassade sieht aus als wenn sie direkt aus einem parametrischen Computermodell kommt – vielleicht schreibe ich das aber nur, weil mich an dem Gebäude die Fassade am meisten beeindruckt.

Die erste Bewegungslinie im Gebäude geht zu dem Wasserfall, obwohl rechts und links die Gänge mit Luxusgeschäften locken. Es ist einfach gigantisch… Es geht nicht anders, jetzt muss ich schauen, da nur diese eine Sicht magisch ist (halt, nein: nicht magisch, sondern aktuelle Architektur des Jahres 2019):


Zweiter Eindruck: Grün, grün, grün

Singapur will ein Garten werden. Auch der Jewel passt zu diesem Leitfaden, den der Stadtstaat sich für das nächste Jahrzehnt ausgedacht hat (‚let’s be a city in a garden‘). Eingelassen in die runde Struktur um den Wasserfall herum sind Plattformen. Damit auch alle gucken und Selfies machen können. (Was ist der Wert von Fotos wenn millionenfach die gleiche Szenerie mit anderem Individuum gepostet wird?). Es entspricht dem Zeitgeist.

Setzt man die Videokamera auf Slowmotion und filmt die 10.000 Gallonen/min herabstürzenden Wassers sieht man laut Werbeflyer die ästhetische Regelmäßigkeit des Falles der Wasserströme. (Probiere ich ein andermal). Wie teuer es wohl ist, dieses wertvolle Gut ständig hoch zu pumpen? Der Wassertank fasst 500.000 Liter und man nutzt wohl auch etwas Regenwasser.

Nachts gibt es, auf den Wasserfall projiziert, eine Lichtshow.


Funktion des Jewel: Shopping, Food, Entertainment

Dem Weg nach links folgend (linksherum laufen ist hier einfacher, da man sonst gegen den Strom der Massen läuft), gelange ich zu den Läden. Der Jewel ist in der Grundidee ein großes Einkaufs-, Ess- und Entertainment Paradies, nur eben an einem Flughafen.

Es sieht so aus als wenn dieser für alle öffentliche Jewel vor allem die lokalen Singapurer anlocken soll. Hier ist Shopping und in Malls abhängen ein vielgeübtes Hobby. Ob Fluggäste im Transfer ebenfalls eine Zielgruppe sind? Immerhin gibt es ein Hotel zum Übernachten und viele Arten des Entertainments für alle Altersgruppen. Transfergäste müssten aber vermutlich alle Einkäufe vor Abflug verzollen, oder?

Ich skippe das Shopping und nehme zwei Rolltreppen nach oben, um in den Wald zu kommen. Ja, Wald.

Der Geruch des foodcourt stört mich im Transfer ein wenig; er scheint sich in der Luft zu verteilen. Mit den vielen Menschen hier ist es auch ziemlich laut. Aber wieder beeindruckt mich die Fassade von innen. Riesige wie Segeltücher anmutende Stoffbahnen können von nahezu unsichtbaren Fäden flexibel auf und zu geschaltet werden und bieten Schutz vor der Sonne. Die Klimaanlagen helfen mit, nicht in den Tropen ein neues Tropenhaus zu beginnen (Versuch eines Wortwitzes).

Ob es den Bäumen gut geht? Vereinzelt liegen herabgefallene Blätter herum. Einige fallen mir unerwartet beim Schreiben des Berichtes in den Nacken und erschrecken mich – ein seltsames Gefühl.

Es muss ein riesen Werk sein, alle 2000 (!) Bäume im Gebäude bei Laune zu halten. Die sicherlich interessante Energierechnung geht ja zum Glück wenn dann nur indirekt von meinen Steuern ab. Zweitausend Bäume… So langsam dämmert mir, mit welchen Methoden der Jewel in der Welt Spitzenklasse sein will.

Nur Vögel würden für die Illusion, draußen zu sein, noch fehlen.


So viele Eindrücke

So ganz klappt die Restoration Theory aus der Umweltpsychologie hier noch nicht: die Natur ist echt, aber ich bin müde von den Menschen, Geräuschen und vielen Eindrücken. Und so kommen wir zurück zum Anfang des Berichts: Ich bestelle Cappuccino und schwarzes Kokoseis in einem Cafe (der Preis ist absolut machbar) und versuche, den Blogbericht zu schreiben. Aber es ist mir zu laut. Folglich entscheide ich, das Gebäude ein andermal weiter zu entdecken, und Euch ein andermal von den anderen Dingen zu berichten, die Zukunft und doch schon jetzt die Gegenwart der Architekturentwicklung sind. Bis bald also!

Aus dem Infoflyer der Preview: Grundriss der Etagen 1 und 2


Mein Fazit

Schon beeindruckend. Wo sonst kann man einen Wasserfall am Flughafen finden…


Eure Kommentare?

Was ist Euer Eindruck dieses Projekts?

Sind Flughäfen die neue Shoppingmall für alle? Müssen wir die Natur nachbauen, um zukünftige Gebäudeentwürfe zu erdenken? Was ist mit dem Ressourcenschutz unseres Planeten? Wie lange hält der „Wow Effekt“ des Wasserfalls? Gibt es Gebäudepläne, die wirklich jede/n ansprechen? Wie können unsere öffentlichen Gebäude in Zukunft aussehen?

Kommentiert wie immer gerne, wenn ihr mögt.

(Editiert am 18.4.19, um die T9-Typos heraus zu holen, da ich den Bericht zwischen 1 und 3 Uhr nachts fertig schrieb, um es für Euch pünktlich VOR der offiziellen Eröffnung zu publizieren).


English Version

(translated with DeepL).

I sit at the beach bar with cappuccino and black coconutice; slow music in the background. Postersvof Hawaai; the waitress wears shirts with palm trees.

All real and real and yet not:

I’m not in Hawaii, but a guest at the preview of the JEWEL, a shopping mall of the future – and the present – opened tomorrow at Changi Airport.

But from the beginning, you don’t start with the end.

(ALL PHOTOS ARE ABOVE)


Form: a jewel, a brilliant diamond?

The project cost 1.7 trillion. Architect Moshe Safdie wanted to create something like the film Avatar (2009). A mystical garden that appeals to everyone equally, regardless of age, income or cultural background.

Visually, the building consists mostly of glass and steel, I judge as a non-architect. The diamond shape of the windows remind me of Rem Koolhaas‘ Seattle Library. How long does it take to clean all the windows?


First impression: Entrance area

Viewed from the outside, Jewel appears as a small round building; a diamond-shaped façade, which is put over this form of wines donuts. But Jewel appears larger from the inside than one would expect from the outside; it is much more impressive from the inside. The diamond glitters silver in warm and humid weather, inviting you to a 135,700 m2 air-conditioned shopping mall. Its main attraction is a 40m waterfall in the middle of an almost round atrium.

Jewels entrance attracts already from the outside with a free line of sight on the central waterfall in the design. The water falls from the roof into a tropical forest and ends in a hole in the ground.

But the entrance area is just as exciting for me: large metal objects seem to hang weightlessly in the air. They don’t appeal to me from an artistic point of view. But I can imagine that it suits the broad mass of this multicultural country.

The facade looks as if it comes directly from a parametric computer model – but perhaps I only write that because the facade impresses me the most about the building.

The first line of movement in the building goes to the waterfall, although the corridors on the right and left attract luxury shops. It is simply gigantic… There is no other way, now I have to look, because only this one view is magical (stop, no: not magical, but current architecture of the year 2019).


Second impression: Green, green, green

Singapore wants to be a garden. The Jewel also fits in with this guideline that the city-state has come up with for the next decade (‚let’s be a city in a garden‘). Platforms are embedded in the round structure around the waterfall. So that everyone can watch and make selfies. (What is the value of photos when millions of times the same scenery is posted with another individual?). It corresponds to the zeitgeist.

If you set the video camera to slow motion and film the 10,000 gallon/min falling water, you can see the aesthetic regularity of the fall of the water streams according to the advertising flyer. (I’ll try another time). How expensive is it to constantly pump up this valuable commodity? The water tank has a capacity of 500,000 litres and you probably also use some rainwater.

At night, projected onto the waterfall, there is a light show.


Function of the Jewel: Shopping, Food, Entertainment

Following the path to the left (walking around to the left is easier here, otherwise you’ll run against the flow of the masses), I get to the shops. The Jewel is in the basic idea a big shopping, eating and entertainment paradise, just at an airport.

It looks like it is supposed to attract the local Singaporeans for all public Jewel. Here is shopping and in malls hang out a much practiced hobby. Are passengers in transfers also a target group? After all, there is a hotel for staying overnight and many kinds of entertainment for all age groups. But transfer guests would probably have to clear all purchases before departure, wouldn’t they?

I skip the shopping and take two escalators up to get into the forest. Yes, forest.

The smell of the food court disturbs me a little in the transfer; it seems to spread in the air. With all the people here, it’s also quite noisy. But again the facade impresses me from the inside. Huge fabric panels that look like canvas can be switched from almost invisible threads flexibly to and fro and offer protection from the sun. The air conditioners help not to start a new tropical house in the tropics (attempt of a word joke).


Are the trees doing well? Some fallen leaves are lying around. Some fall unexpectedly on my neck while writing the report and frighten me – a strange feeling.

It must be a huge task to keep all 2000 (!) trees in the building in good spirits. The certainly interesting energy bill is fortunately only indirectly deducted from my taxes. Two thousand trees. Slowly it dawns on me with which methods Jewel wants to be top class in the world.

Only birds would still be missing for the illusion to be outside.


So many impressions

The Restoration Theory from environmental psychology doesn’t quite work here yet: nature is real, but I’m tired of people, sounds and many impressions. And so we come back to the beginning of the report: I order cappuccino and black coconut ice cream in a cafe (the price is absolutely feasible) and try to write the blog report. But it’s too loud for me. So I decide to discover the building some other time and tell you some other time about the other things that are the future and yet already the present of architectural development. See you soon!


My conclusion

It’s impressive. Where else can you find a waterfall at the airport…


Your comments?

What is your impression of this project?

Are airports the new shopping malls for everyone? Do we have to rebuild nature to think about future building designs? What about the conservation of our planet’s resources? How long does the „wow effect“ of the waterfall last? Are there building plans that really appeal to everyone? What will our public buildings look like in the future?

Comment as always if you like.

(translated via DeepL)

2 Kommentare zu „Gibt es einen Wasserfall am Flughafen? (Preview of the waterfall at the airport)

  1. Interessante Einblicke in ein wahrlich gigantisch dimensioniertes Projekt.
    Die Begrünungsidee gefällt mir ersteinmal gut, auch wenn es sich hierbei nur um Kulisse handelt …

    Gefällt 1 Person

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