Wie vermeidet man unerwünschtes Verhalten? Part 3: Nudging again (How to prevent undesired behaviour in a society?)

(English version below)

Her mit der Praxis! Wo finden wir Beispiele für die Nudging Theorie im Alltag?

Ihr erinnert euch an die theoretische Diskussion zum Nudging in diesem Bericht? Heute gibt es einen angewandten Bericht dazu: Viele Fotos, weniger Wissenschaftstext.

Wir schauen auf zwei Beispiele:

  1. Nudging in einer Werbemail
    und
  2. Nuging im Stadtraum.

Wie findet ihr es, selbst auf die Suche nach solchen Beispielen zu gehen? (Ich finde: Es macht wirklich Spass).


  1. Praxisbeispiel: Nudging in Werbemails

Neulich versuchte eine Mailinglist, mich mit negativen Nudging zu überzeugen, ich solle doch wieder etwas bei dem Service bestellen. Aber etwas fühlte sich merkwürdig an. Ich zitiere aus der englischen Übersetzung:

„Du machst Koch Isaac traurig 😦

Seit Ihrer letzten Bestellung haben wir eine Weile nichts mehr von Dir gehört.

Während Du weg warst, hat unser Küchenchef Isaac aber sehr hart daran gearbeitet, neue Gerichte zu kreieren – im Namen des Glücks.

Wenn er also nichts von dir hört, macht ihn das wirklich nervös und er denkt, dass er etwas falsch macht.

Willst Du ihn ein wenig aufheitern?“

Meint ihr, dieses Beispiel von Nudging funktioniert – für Euch oder für Andere?

Bei mir klappte es nicht. Meine Reaktion war, mich ganz bei dem Service abzumelden. Das war wohl nicht im Sinne des Unternehmens…


2. Praxisbeispiele: Nudging im Stadtraum

Wo stehen, wo Fahrräder parken?

Links: Wo soll man stehen wenn man vor einer Ampel wartet?
Rechts: Wo soll man geliehene und eigene Fahrräder abstellen?

Beides wird hier durch den gelb abgetrennten Raum angedeutet (Nudge). Die Leute scheinen sich daran zu halten.

Klar kann man das als „normale Markierung“ betrachten. Beim Nudging geht es darum, indirekte Vorschläge zur Beeinflussung des Verhaltens und der Entscheidungen zu machen (z.B.:über eine Form, oder Symbole die im Raum angebracht sind).

Vielleicht ist dieses Beispiel sehr direkt: man kann es auch als einfachen Sperrraum, nicht Nudge, interpretieren. Deswegen schauen wir uns jetzt weitere Beispiele an.


Die Mülltrennung

Müll und wie wir uns damit verhalten ist ein klassisches Thema der Umweltpsychologie. Es geht um die Nachhaltigkeit unserer Ressourcen. Viele Forschende haben sich damit befasst, die Gesellschaft zu animieren, keinen Müll auf die Straße zu werfen,Müll zu trennen, zu recyclen usw. Nudging wird von Praktikern oft als Intervention eingesetzt.

Links: ein traditioneller Müllcontainer. Er hat ebenfalls eine klare Botschaft. Auch wenn man/frau nicht lesen kann, versteht man, wie man den Müll genau trennen soll.

Rechts: eine Nudging Methode: hier wird auf eine eher unbewusste Stimulierung gesetzt“ durch die Form des Mülleimers, die gezeigt, welcher Müll wo rein kommt (oder: kommen soll).

Ob das wohl klappt? Bislang hatte ich in den rechten Eimern noch wenig Inhalt gesehen, obwohl ich mehrmals in der Woche an ihnen vorbei laufe.

Notiz: Plastikflaschen, Plastiktüten, Verpackungen sind eine Herausforderung über die in Singapur gerne geredet wird. Trotzdem existieren sie weiter, so lange es dazu keine festen Richtlinien in der Politik gibt.

Es ist hier z.B. üblich, dass Kassiererinnen das Gekaufte selbst in Plastiktüten packen. Deswegen sind viele Supermarktkassierer/innen stutzig, wenn ich auf meine eigene Stofftasche bestehe. Es bedeutet immer ein bisschen Starrsinn meinerseits, bis ich meine eigene Tasche nutzen und das Gekaufte selbst einpacken darf.

20181012_101859

borrow a bag

Viele kleinere Unternehmen steigen auf „borrow a bag“ / „Leih eine Tasche“ um. Kein Nudging aber in diesem Kontext ein gutes Beispiel:


Wo gehen, wo stehen?

Links: Nudging-Methode durch Pfeile. Sie zeigen, wo man beim Warten stehen soll (rote Pfeile) und wo Leute, die aus der U-Bahn kommen rauslaufen werden (grüner Pfeil); wo man dann nicht stehen sollte.

Rechts: Bemühen der Stadt, die ehemaligen Nudgings zu entfernen, um zu schauen ob die Intervention geklappt hat und Leute nun in den vorgesehenen Bereichen stehen und laufen. Unbewusst sehen Pendler, wo die Kleber der vorigen Pfeile waren: dieses Nudging ist impliziter.

Im Zeitraum meiner Beobachtung (10min) klappte das auch ganz gut ohne Pfeile. 😉


Wo gehen, wo fahren?

Pfeile geben auch hier im Park an, wo man laufen soll, und wo elektrische Fortbewegungsmittel genutzt werden (sollen!), sodass beide nicht kollabieren. Versteht sich…


Handhygiene

Links: Die Normaktivierung findet sehr explizit statt: ein Hinweisschild und Symbole auf dem Dispenser zeigen, dass man sich die Hände waschen soll.

Rechts: Jemand hat aber einen Zettel auf den Bildschirm geklebt, auf dem steht:

  • Please disable this screen. Saving water by wasting energy resources?“ („Bitte deaktivieren Sie diesen Bildschirm… Wasser sparen durch Verschwendung von Energieressourcen?“).

Aktive Umweltpsychologie! 🙂


Dank für die Kooperation – Der klassische Smiley des Nudging!

20180902_100139

Neben viel Grünfläche, bedankt man sich hier immer, wenn Leute kooperativ sind. Zum Beispiel dann, wenn Strassen gesperrt wurden und man dadurch langsamer voran kommt.

Hier sehen wir also zum Abschluss dieses heute eher visuellen Artikels auch den Smiley zurück, den wir schon im theoretischen Teil dieses Berichtes zur Nudging Methode kennengelernt hatten 😀 Ein wie ich finde tolles Beispiel!


Zusammengefasst

Heute haben wir einige Beispiele gesehen, wie Nudging in der Praxis umgesetzt wird.

  • Welche weiteren Beispiele kennt ihr?
  • Unten ist ein leeres Kommentarfeld 😁

Crappy English un-layouted translation for your convenience (via DeepL).

Today , we have a completely applied report, i.e. many photos, less scientific text than usual, just to have a look: what is the practice of the theory of nudging like?

I’ve been thinking for a while about where I can find nudging (you remember the theoretical discussion on nudging in this report) in my life. I can only recommend it, because it’s really fun.

One example is from an advertising mail and one is from the urban space of Singapore.


Practical example of nudging in advertising mails

Recently I got a mail which tried to convince me to order something from the service with NEGATIVEM Nudging. I quote:

„You are making boss Isaac sad 😦

Haven’t heard from you in a while since your last order.

While you were away, Chef Isaac has been working really hard to create new dishes – all in the name of making you happy.

So when he doesn’t hear from you, it gets him really anxious and he thinks he’s doing something wrong.

Cheer him up a little?“

Do you think such a negative example of nudging works – for yourself? For others?

Not with me. My reaction was to sign off there. That was probably not quite in the spirit of the company.


2. Practical examples of nudging in the urban space of Singapore

Where to stand, where to park?

PHOTO ABOVE
Left: Where to stand when you face a traffic light?
Right: Where should borrowed bicycles be parked?
Both are represented here by the room separated in yellow. People seem to stick to it! 😉


The garbage separation

PHOTO ABOVE
A classic topic in environmental psychology. The sustainability of our resources and thus also the waste separation of society in space.
Left: a traditional garbage container, which, however, also states quite clearly how the garbage should be separated.
Right: a nudging method: here the shape of the waste bin unconsciously shows what comes in where (should come in). Will this work?


Where to go, where to stand?

PHOTO ABOVE
Left. Nudging method by arrows: Nudging method with arrows. They show where to stand while waiting (red arrows) and where people coming out of the subway will run out (green arrow); so where not to stand then.
Right: The city is trying to remove the former nudgings to see if the intervention worked and people are now standing and walking in the designated areas. You can still unconsciously see where the glue of the previous arrows was: so this nudging is more implicit. In the period of my observation (10min) it worked quite well without arrows. 😉


Where to go, where to drive?

PHOTO ABOVE
Arrows also indicate here in the park where to walk and where electric means of transport (PCN) can be used. So that both do not collapse. Very legible instruction.


Hand hygiene

PHOTO ABOVE
Left. The norm activation takes place very explicitly by a sign and symbols on the dispenser: The standard activation takes place very explicitly by the fact that a sign and symbols on the dispenser show that one should wash one’s hands.
Right: Someone has stuck a note on the screen that says: „Please disable this screen. Saving water by wasting energy resources?“ „(„Please disable this screen…Save water by wasting energy resources?“)

Wonderful, this is active environmental psychology! 🙂


Thanks for the cooperation, if you behaved correctly 🙂 The classic smiley of nudging!

PHOTO ABOVE

And finally: Besides a lot of green space, you always thank people here when they are cooperative. For example, when roads have been closed and you can move slower as a result. So here we look back at the smiley, which we already got to know in the theoretical part of this report on the nudging method, at the end of today’s rather visual article 😀 Excellent example!


So today we mainly saw examples of how nudging is put into practice (the theory already existed here).

But if you have any questions, which we should discuss together here, please feel free to write a comment! ( 🙂 )

  • which examples door nudging do you now?

again sorry for tree deepL translation. it may be better if you use your own translation:)

Ein Kommentar zu „Wie vermeidet man unerwünschtes Verhalten? Part 3: Nudging again (How to prevent undesired behaviour in a society?)

  1. Oh, armer Isaac – du hast ihn mit deiner Reaktion bestimmt nicht aufgeheitert – mich dafür mit diesem amüsanten Praxisbeispiel umso mehr – danke!
    Danke auch für die anderen anschaulichen Beispiele.
    Spontan fallen mir noch die Diskretionszonen bei Post und Bank ein. Und ja, Nudging funktioniert bei mir manchmal, manchmal aber auch nicht … 😉

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