Was sind eigentlich „reaktionsfähige“ Städte? (What are „responsive cities“?)

(English translation below)

Diese Frage wurde mir neulich von einer anderen Bloggerin gestellt. Die Antwort ist gar nicht so trivial. Kommentiert also gerne mit, wenn ihr andere Ideen dazu habt!

Reaktionsfähig bedeutet in erster Linie: „fähig sein, zu reagieren.“

Werfen wir, um das Thema einzuleiten, zunächst einen Blick auf die Stadtplanung. Diese geschieht noch häufig „Top->Down“. Das bedeutet: Jemand der/die dazu ausgebildet ist, plant einen Stadtraum. Andere „nutzen“ es und fühlen sich im Raum dann wohl (oder unwohl), interagieren mit ihm und miteinander (und so weiter). Bei der reaktionsfähigen Stadt ist das anders: es soll „Bottom-Up“ geschehen, durch die Teilnahme der Stadtraumnutzer.


Gerade noch haben die Medien und die Wissenschaft über das Konzept der „Smart City“ geredet.

Smart Cities beinhalten sämtliche Innovationen, die den Stadtraum vernetzen, effizienter machen und mit neuster Technologie anreichern.

Alles in der Smart City soll optimiert werden: die Nachhaltigkeit (durch umweltschonende Stadtkonzepte), die Verkehrsführung (durch eine Optimierung der Mobbilität), die Versorgung (Energie, Finanzdienstleistung, Gesundheit, Sicherheit, usw.) und die Zufriedenheit der Stadtnutzer (indem eine hohe Lebensqualität im Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Bildung, usw. erreicht wird – in allen Bereichen des Lebens in der Stadt). Nach dem Motto: Komfortabler, effizienter, nachhaltiger – durch die Integration neuster Technologien.

Jetzt haben wir uns selbst wieder einmal konzeptuell selbst erneuert und soll die Stadt also nicht nur Smart sein, sondern auch noch Reaktionsfähig. Was aber ist der Unterschied?


Der Unterschied zwischen der Smart und der Reaktionsfähigen Stadt ist:

  • Eine Smart City ist technologisch auf dem neusten Stand. Aber: das reicht nicht. Die Planung ist weitgehend auf Technologie ausgerichtet – eine menschliche Perspektive fehlt.
  • Eine zudem auch „Reaktionsfähige“ Stadt ist Smart – und integriert die Bevölkerung, indem sie sie mitentscheiden lässt.

Wow, das klingt toll, finde ich! Aber es hat mindestens einen Haken:

  • Denn erst wenn Nutzer die Zusammenhänge zwischen Raum und ihr Interaktion mit dem Raum und mit Anderen verstehen, können sie wirklich mitreden und mitmachen. Außerdem sind nicht alle interessiert an der Mitsprache und Partizipation.
  • Eine weitere Problematik ist, dass auf vielen Ebenen gearbeitet wird: nicht nur die Bewohner, Pendler und Besucherinnen der Stadt sind gefragt, sondern auch die Stadtverwaltung, die Politik, die Wirtschaft und die Wissenschaft.
  • Hinzu kommt: da wir nicht alle Umweltpsychologinnen und Stadtplaner sind, die ein gleiches Wissen als Grundlage zur Planung haben, muss zusätzlich eine andere Art gefunden werden, um die Partizipation und soziale und gesellschaftliche Komponenten in die Smarte Stadtplanung mit einzubauen.

Das bedeutet im weiteren Sinne meiner Meinung nach dann Folgendes:

  • Nutzer werden zur Datengrundlage: sie kennen alle Abläufe in der Stadt besser als die Planer, weil sie die Stadt jeden Tag selbst erleben. Sie sehen schnell, wo etwas gut oder weniger gut funktioniert. Sie haben Geschichten über ihre Interaktionen mit dem Raum. Planer stellen sich das zwar gut vor, aber nutzen den Raum dann meist nicht selbst (’never-look-back attitude‘? vgl. Flade, 2008).

Wenn die Nutzer der Stadt nur teilweise oder gar nicht in die Planung eingebunden werden, während die Stadt jedoch smarter wird, dann entwickelt sich die Stadt an dem Mensch im Raum vorbei.

Aus diesem Grund wurde in den letzten Jahren die Frage lauter, ob Nutzerdaten von dynamischen Interaktionen mit dem Raum dazu genutzt werden können, von „unten herauf“ / Bottom->Up zu planen. Also: aus Sicht der echten Nutzer, ohne jedoch aufwändige individuelle Nutzerstudien im Labor durchzuführen und isolierte Ergebnisse über einzelne Personengruppen zu finden.

Eine Annäherung dazu, was Massen von Nutzern im Raum tun und wie man das vorhersagen kann („Data-smart Governance“, Responsive City Research), nutzt Daten über Interaktionen von Menschen in Raumen (z.B., wo verweilen sie gerne? welche Verkehrsmuster entstehen?) und versucht, darauf basierend, Vorhersagen zu machen (wo gibt es Kriminalität? Verkehrsunfälle?) und die Politik und Verwaltung auf verschiedenen Ebenen darauf auszurichten, die Maßnahmen für die Reaktionsfähige Stadt zu unterstützen. Nach dem Motto: innovative Technologie, in der die Bevölkerung aktiv mitbestimmt.

Also versuchen Forscherinnen und Forscher, Datenmassen aus neuen Sensortechnologien sinnvoll auszuwerten. Zum Beispie: Autonome Autos (und ihre heutigen Tücken – ich finde es super, sobald es finanziell und sozial realisierbar und sicher ist). Thermischer Komfort im Freien (ihr hattet in Deutschland im Sommer 2018 eine Hitzewelle und könnt euch nun vielleicht vorstellen, warum das gerade in tropischeren Ländern einen Beitrag zur Lebensqualität leistet). Oder die Frage, wie die Umwelt uns animieren kann, uns mehr zu bewegen, indem der Stadtraum zum Beispiel ansprechender und sicherer gestaltet ist.

Aber es stellt sich auch die Frage, wie das genau gehen soll – wie erreichen wir eine reaktionsfähige Stadt?


Es gibt mehr Fragen als Antworten, auch wenn alle eifrig forschen, zum Beispiel:

  • Wie kann Informationstechnologie den anvisierten Planungsansatz, der viele Disziplinen und Ebenen (Bürger, Planerinnen, Verwalter, usw.) und eine extrem hohe Komplexität der Stadt und Mensch Interkationen beinhaltet, unterstützen?
  • In welcher „Sprache“ müssen Planer und Bürger kommunizieren und Planungsvarianten auswerten, um zu einem guten Ergebnis zu kommen?
  • Wie kann diesse Führung für alle transparent und zeitnahe klappen?
  • Wer finanziert das eigentlich alles – auf lokaler und globaler Ebene?

Kurzum: Es gibt zurzeit mehr Fragen als Antworten. Aber es wird daran geforscht und es wird experimentell erprobt.

Wenn ich persönlich ein Fazit bilden soll: … das hört sich alles noch sehr abenteuerlich an.

So ganz kann ich noch nicht sehen, dass wir weltweit zusammenarbeiten, um Städte reaktionsfähig/er zu machen. Ich will niemanden auf die Füße treten, aber habe in Südafrika in Townships gearbeitet, in denen viele Menschengruppen gegeneinander sind. Deswegen fällt mir vor Allem auf, dass wir dem Reaktionsfähige Städte Konzept selten ueber „Entwicklungsländer“ reden (oder dies aus westlicher Sicht tun) – wir gehen davon aus, dass die Stadt schon Smart ist, bevor sie Reaktionsfähig werden kann.

Was meint ihr dazu?
Kommentiert gern unten, was eine Reaktionsfähige Stadt eurer Meinung nach leisten sollte – in welchen Städten fühlt ihr euch wohl?


Persönliches Beispiel – Bürgerpartizipation

umweltpsychologie.net 1

Foto (Quelle: privates Archiv): Ein sehr gelungenes Beispiel der Bürgerpartizipation – der Bau einer Querungshilfe über eine dreispurige Landstrasse. Die Kraftfahrzeuge fuhren überwiegend mit viel zu hohem Tempo.

Jemand der mir sehr nahe steht konnte durch eine engagierte Bürgerpartizipation den Fußgängerübergang erreichen – nachdem es dort, weil Fußgänger übersehen wurden, mehrere Todesfälle gab und bereits Jahrzehnte in Politik und Verwaltung erfolglos versucht wurde, ebendies zu vermeiden (z.B. durch eine Tempobegrenzung).

Rechts im Bild: Menschen die die stark befahrene Straße nutzen wollen.
Notiz: Ich habe gewartet, dass keine Autos kamen, sodass keine Nummernschilder zu erkennen sind, wegen der Privacy ebendieser. In der alten Verkehrssituation ohne die Verkehrsinsel hätten diese Leute den richtigen Moment abpassen müssen, um nicht überfahren zu werden (ja – ich bin da aufgewachsen – das war echt so)

Links im Bild: ein Fahrradfahrer, der oder die den Übergang erfolgreich und sicher genutzt hat. 🙂

Seitdem es die Verkehrsinsel gibt, gab es dort bislang KEINE Unfälle von Menschen, die die Strasse überqueren wollten, mehr.

Die Verkehrsinsel wird rege genutzt (ich habe mich dort eine Weile hingestellt und es beobachtet – und wenn ich dort vorbeifahre, sehe ich oft Passanten, weil die Strecke entlang eines touristischen Fahrradweges und einer integrierten Verbindung zwischen zwei Dörfern liegt).

Jedoch:

Gerade in kleineren Kommunen, die nicht oder kaum Smart oder Responsive sind, ist es sehr schwer fuer Bürgerinnen und Bürger, Ideen durchzusetzen – sogar wenn Statistiken (viele Unfälle mit und ohne Todesfolge) zeigen, dass dies notwendig ist.


English translation with DeepL (no commercial, but I want to be transparent in what i use to make a not-so-good translation).

This question was asked to me the other day by a blogger. The answer is not so trivial. So feel free to comment if you have other ideas!

Reactive means: „being able to react.“

Usually urban planning is „Top->Down“, which means: someone who is trained to do so is planning something. This will later be used by others, hereinafter the „users“ of the room. They’ll be comfortable or uncomfortable in town.

Just recently, everyone in the media and science talked about the concept of the „Smart City“. Smart Cities include all innovations that network urban space, make it more efficient and enrich it with the latest technology.

Everything in the Smart City should be optimized: sustainability (through environmentally friendly city concepts), the best traffic management (through optimization of mobility), the best supply (energy, financial services, health, safety, etc.) and the highest satisfaction of city users (by achieving a high quality of life in living, working, leisure, education, etc. – in all areas of life in the city). According to the motto: More comfortable, more efficient, more sustainable – by integrating the latest technologies.

Now we have once again conceptually renewed ourselves and we want the city to be not only smart, but also responsive.

The difference between Smart and Reactive is:

  • A Smart City is technologically state-of-the-art. That’s not enough. It is, after all, largely oriented towards technology.
  • Smart is also a „reactive“ city – and integrates the population (residents, commuters, visitors) by letting them participate in decision-making.

Wow, that sounds great at first, I think! But there is a catch: only if users understand the connections between space and themselves can they really participate. And since we are not all environmental psychologists and urban planners, another way of integrating participation and social components into the Smart City must be found. In my opinion, this means the following in a broader sense:

  • Users are now becoming the data basis: they know all processes in the city better than top-down planners, because they experience the city for themselves every day. You can quickly see where something is not working so well. They have stories about their interactions with space.
  • If this data of the users of the city is only partially or not integrated into the planning while the city becomes smarter, then the city develops past the people in the space.

This is why the question is now developing as to whether user data in the room can also be used to plan from the „bottom up“, i.e. from the perspective of real users, without, however, carrying out complex individual user studies in the laboratory and finding isolated results on individual groups of people. Another problem is that work has to be done on many levels: not only the inhabitants are in demand, but also the city administration and politics, the economy – and perhaps finally also science (I hope as a researcher now).

An approximation of what masses of users do dynamically in space and how to predict it („data-smart governance“), uses data on human interactions in spaces (e.g. where they like to linger? what traffic patterns?) and tries to make predictions (where are there crimes? traffic accidents?) and policy (local, state) based on supporting the measures to do so.

Researchers are trying to make sensible use of new sensor technologies and data masses and to evaluate their data. Here the question of autonomous cars (and their current pitfalls) plays a role, or thermal comfort outdoors (you’ve just had a heat wave in Germany and can now perhaps imagine why this contributes to the quality of life, especially in tropical countries). Or the question of how the environment can encourage us to move more because urban space is more attractive and safer.

At the end of this blog article, the question also arises as to how all this is to go exactly, with the reactive city. There are more questions than answers, even if everyone is eager to research – for example:

  • What guidelines do we need for civic engagement and governance in the digital age to create more dynamic, competitive and economically resilient cities?
  • How do we promote collective voices of users in the neighbourhoods and at country level?
  • What does „quality of life“ mean for different people and cultures?
  • Can digital tools help people to use resources (e.g. energy, materials) more efficiently?
  • How can information technology meet the planning approach envisaged, which covers many disciplines and levels? (citizens, planners, administrators, etc.) and an extremely high complexity of city and human interactions?
  • In which „language“ do planners and citizens have to communicate and evaluate planning variants in order to achieve an acceptable and good result?
  • What should an innovative leadership do for the reactive city?
  • Who makes this innovative leadership: how do we ensure that everyone is really involved and not someone at higher levels determines the decisions?
  • How can this management be transparent and timely for everyone?
  • Who actually finances all this – at local and global level?

In short, there are currently more questions than answers.

If I must personally come to a conclusion: … this all sounds very adventurous. I still can’t quite see that we are working together worldwide to make cities responsive. I don’t want to step on anyone’s toes, but worked in townships in South Africa where many groups of people are against each other, so it strikes me above all that we don’t talk about „developing countries“ in the reactive city concept – we assume that the city is already smart before it can become reactive.

Feel invited to comment, what a responsive city means to you, and what a city should do so that you like it!


Personal example of citizen participation (see above, because here is only the translation)

Photo (source: private archive): A very successful example of citizen participation – the construction of a pedestrian crossing, which could be implemented by someone very close to me through a committed citizen participation – after there, because pedestrians were overlooked, several deaths occurred and already many years in the city administration were unsuccessfully tried to avoid just this.

Right picture: People who want to use the busy road. Note: I waited for no cars to come, so no license plates are visible, because of the privacy of these very cars. In the old traffic situation without the traffic island, these people would have had to wait for the right moment to avoid being run over (yes – I grew up there – it was really like that).

Left picture: a cyclist who has used the transition successfully:)

Since the existence of the traffic island, there have been NO more accidents of people who wanted to cross the road. The traffic island is used a lot (I stayed there for a while and observed it – and when I pass there I often see passers-by because the route is along a tourist cycle path and an integrated connection between two villages).

In smaller municipalities in particular, which are either not smart or responsible, it is very difficult for citizens to implement ideas – even if statistics (many fatal and non-fatal accidents) show that this is necessary.

4 Kommentare zu „Was sind eigentlich „reaktionsfähige“ Städte? (What are „responsive cities“?)

  1. Interessanter Beitrag. Das erste, was mir einfiel zu „reaktionsfähiger Stadt“ war: Reaktion als Festhalten an alten, überholten gesellschaftlichen Verhältnissen. Obwohl ich natürlich weiß, dass in diesem Fall eigentlich „handlungsfähig“ gemeint ist. Ha. Tricky Sprache, die manches verschleiert und damit auch wieder entlarvt. Wie ist das mit der Transparenz, wenn Menschen schlecht sehen (metaphorisch gesprochen)? Ja.
    Solange Stadt- und Gesellschaftsplanung „von oben“ herab geschieht, von Menschen, die an einem Ideal festhalten, das sich lediglich an vergangenen Gewohnheiten orientiert, egal, wo deren Standtpunkt ist (1. Welt, 2., 3. Welt, Bürgertum, Arbeiterklasse, Prekariat, Flüchtlinge, Asoziale, Sozialschmarotzer, Plutokratie oder welche -kratie auch immer ….. etc. etc. etc.), und andererseits ein eingefleischtes Misstrauen und eine ebensogroße Verachtung von „unten nach oben“ existiert („die da oben wissen gar nicht, wie das ist … das sind die eigentlichen Schmarotzer “ etc.), kann sich kein Dialog entwickeln, von dem aus sich vielleicht eine echte Kommunikation entwickeln könnte, die ein echtes Mitgefühl füreinander als Basis hätte. All das setzte eines voraus: echtes Interesse am Anderen, am Fremden, am Unbekannten. An denen, die uns Angst machen (das sind auch die kranken, schwachen, behinderten, sterbenden, die alten Menschen …. alle, die nicht (mehr) funktionstüchtig sind. Die, die einen anderen Glauben, eine andere Überzeugung haben und damit unsere scheinbare Sicherheit ins Wanken bringen. Am „Reichen“. Sind sie wirklich alle Feinde der „Armen“? Was beseelt sie? Was beseelt alle? Was trennt und was verbindet uns wirklich? Sind wir in unseren Bedürfnissen wirklich so verschieden, wie uns einige weis machen wollen??? Was brauchen wir wirklich???? Und was wirklich nicht?
    Was macht wirklich glücklich und wen? Sind das wirklich „Dinge“ oder sind nicht vielmehr diese Dinge Stellvertreter für etwas ganz anderes? Wo ist der Zugang für dieses ganz Andere für ALLE?
    Die Zukunft ist neutral. Die Vergangenheit vorbei, die Gegenwart besetzt. Gelingt es uns, unsere Vor(ur)teile zu überwinden und (uns mitzu)(teilen)?
    Ja, es tauchen immer mehr Fragen als Antworten auf, wobei den Fragen stets Handlungsanweisungen innewohnen, Richtungsschilder sind, Vorschläge … wohin diese Wege führen, wenn sie noch keiner gegangen ist, … wissen wir eben nicht. Na und? Sollen wir deswegen wirklich „reaktionär“ werden (bleiben)? ;o)

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  2. Ein tolles Beispiel von Bürgerpartizipation hast du hier angeführt. Der „Bottom-Up“ Ansatz gefällt mir klarerweise gut, wenngleich er auch in gewisser Weise selbstlimitierend ist (Berücksichtigung unterschiedlicher Sichtweisen, Bedürfnisse, Anspruchshaltungen –einiger? vieler? aller?).
    Eine reaktionsfähige Stadt zeichnet sich -meiner Meinung nach- vor allem durch rasche unbürokratische Entscheidungswege, antizipatorisches Denken und Strategienvielfalt aller Beteiligten aus. Letzten Endes liegt es an jedem Einzelnen, hier seinen Beitrag zu leisten. Dies wiederum erfordert, sich dessen bewusst zu sein ( zu werden) …
    Danke für deine interessanten Beiträge, die zum Nachdenken anregen. Liebe Grüße 🙂

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  3. Ich freue mich sehr dass Du wieder einen Denkanreiz da gelassen hast.

    Ich finde es einen tollen Aspekt, dass Du auf rasche unbürokratische Entscheidungswege setzen würdest. Auch ich sehe da den langwierigsten Prozess, denn wenn echt ein Stadtteil oder Gebäude umgebaut wird, liegt zurzeit die Entscheidungskraft auf denen, die Geld investieren.

    Neulich sagte ein frustrierter „Bauherr“ (Randnotiz: ich möchte das Word gendern, aber es ist in der Branche zurzeit in der Form ein Fachwort) zu mir:

    „kann Euer Forscherteam nicht eine Frage einbauen, wie viel Geld die Personen, die den Stadtteil nutzen wollen, bereit wären, für unsere vorgeschlagene Änderung des Raumes zu bezahlen?“

    Insofern stimmt es, wie du sagst, dass wohl die Hauptanforderung, in dem Zusammenbringen der unterschiedlichen Sichtweisen liegt (und entsprechend: ihrer Kommunikation, ihren verschiedenen Mindsets, usw.). Und das auch die, die Stimmrecht haben könnten, selbst aktiv werden.

    Danke, das war wieder ein guter Denkanreiz für diesen Blog!

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  4. Klasse, dass Du mit diskutierst zum Thema „reaktionsfähige Stadt. Das freut mich sehr!

    Besonders spannend finde ich, wie Du die Wortwahl dieses Fachbereichs zunaechst linguistisch analysiert hast:

    – Reaktionsfähig ?
    – Handlungsfähig ?

    Der Gedanke, dass eine ECHTE Kommunikation fehlt, ist spannend. Als Grund nennst du: dass einerseits alteingesessene Gewohnheiten und Top-Down Prozesse in der Stadtplanung vorhanden sind. Und anderseits Menschen verschiedener sozialer Umstände andere Vorstellungen, Sprache, reale oder imaginierte Bedürfnisse oder Wünsche haben. Das echte Interesse an anderen, so schriebst Du, fehlt (noch).

    Auch das meinte ich tatsächlich mit einem Perspektivenwechsel. Jede/r von uns hat natürlich einen „Bias“ (bestimmte Sicht), basierend auf der bisherigen Lebenserfahrung (mitsamt allen dazugehörigen Aspekten). So werden wir einen Wunsch oder ein Bedürfnis darauf basierend entwickeln, was wir bereits kennen. In der heutigen Zeit auch teilweise, ohne zu sehen, welche Konsequenzen die Durchsetzung dieses Wunsches hat.

    Ich fand es super, dass du dies im Zusammenhang mit „vulnerable groups“ (Menschen mit kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigungen, ältere Menschen) diskutiert hast – es gibt hier zwar Normen, die scheinbar auf diese Menschen eingehen. Jedoch kenne ich auch das (zehn Jahre alte, also vielleicht inzwischen verbesserte) Beispiel der Planung, wo eine Rampe für den Rollstuhl direkt unter einer Treppe gebaut wurde. Somit jede Person, die diesen Rolli bedienen würde, sich bei Nutzung der Rampe wirklich den Kopf stoßen würde…

    Es reicht an dieser Stelle nicht, proforma, oder antizipativ etwas zu gestalten.
    Besser wäre, die bestimmten Nutzergruppen auch aktiv miteinzubinden.

    In der Wissenschaft kenne ich Arbeiten von z.B. Palmon et al., 2006, deren Ziel ist vor 12 Jahren war, zu bewerten, wie bestimmte Personen mit einzigartigen persönliche „Behinderungen“ bestimmte Aufgaben in einer Umgebung, die noch gebaut werden sollte, erlebten. Soweit, so gut.
    Allerdings kann es passieren, dass Forscherteams auch oft nicht sensibel für diese „spezialen“ oder „vulnerable“ Personengruppen agieren. So schreiben Zeisel, Gifford und McCunn 2015, dass die Nutzereinbindung von MS-Patienten bei einem Neubau richtig gut geklappt hatte. Die Patientinnen und Patienten waren zufrieden. Der geschäftsführende Direktor des Neubaus und sein Team waren davon überzeugt, dass die Programmplanung und der Bewertungsprozess der Beteiligten viel besser waren als die Ergebnisse, die in einem nicht-partizipativen Designprozess entstünden.
    Der Unterschied lag laut der Beteiligten der Studie in vielen kleinen, aber wichtigen Punkten: Zum Beispiel gab es Designelemente, mit denen Patienten unzufrieden waren, die selbst sensible Architekten gar nicht erst bemerkten. Weil sie das Gebäude einfach nicht aus der Sicht der betroffene Menschen erlebt hatten.
    An dieser Stelle geben Zeisel, Gifford und McCunn 2015 den Hinweis, dass bei der Erforschung spezieller Menschen (und allgemein: bei Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten) mehr Sensibilität von Forscherteams und Planern gefragt ist. Personen mit Beeinträchtigungen verstehen den Zweck der jeweiligen Forschung möglicherweise nicht, oder fühlen sich unwohl bei der Beobachtung oder Befragung. Forscherteams müssen die Beobachterrolle einnehmen und dabei auf sehr implizite Hinweise der Zustimmung achten; also z.B. wenn die Person Unmut äußert, dies sofort als Abbruch der Studie akzeptieren, statt weiter nach Daten zu suchen. Klingt so logisch, ist aber gerade bei solchen Arbeiten schnell zu übersehen.

    Wie Du in deinem Kommentar schreibst:
    – “Gelingt es uns, unsere Vor(ur)teile zu überwinden und (uns mitzu)(teilen)?”

    __ REFERENZEN
    Palmon, O., Sahar, M., Wiess, L. P., & Oxman, R. (2006). Virtual environments for the
    evaluation of human performance: towards virtual occupancy evaluation in designed
    environments (VOE). Proceedings of the 11th International Conference on Computer
    Aided Architectural Design Research, (pp. 521 –528), Kumamoto, Japan.
    Hier zu finden: http://papers.cumincad.org/data/works/att/caadria2006_521.content.pdf

    Zeisel, J., Gifford, R., Martin, M., & McCunn, L. J. (2016). Research and Design for Special Populations. Research Methods for Environmental Psychology, 345.
    Hier zu finden: https://www.researchgate.net/profile/Robert_Gifford3/publication/289588232_Researching_special_populations/links/5a07c938a6fdcc65eab3baa8/Researching-special-populations.pdf

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